Ist Pornoschauen gesund?

Die allermeisten Männer haben schon einmal Pornos genutzt, und die Mehrzahl macht das regelmäßig: Tun sie das, weil es gesund ist? Genau!

Pornos anzuschauen ist für viele eine Form des Stressabbaus, der Ablenkung oder es sorgt für eine bessere Stimmung. Keine Überraschung: Pornos tragen zur sexuellen Erregung bei. Zudem kann das Porno-Nutzen entlastend wirken, denn beim Masturbieren ist keine Leistung gefragt, Pornos triggern keine Stressoren, man muss nichts bringen, sondern wird bedient.

Pornos funktionieren in Gehirnregionen, in denen auch Drogen ihre Wirkung entfalten. Deshalb können beim Pornonutzen Kicks, Entgrenzung und Rausch erlebt werden, Grenzen der Leistungsfähigkeit, von Moral und Kontrolle werden überschritten. Nebenbei bekommt der Mann noch Anregungen und Ideen dazu, wie er sein Sexualleben mit Partnerin oder Partner vielfältiger gestalten kann.

Das Nutzen von Pornos ist also an sich nicht riskant für die Gesundheit. Aber es kann Probleme verschlimmern, die der Mann schon hat: Leistungsdruck, Sexstress, Unsicherheit, Körperzweifel. Zudem trägt Pornonutzen dazu bei, eigene Bedürfnisse zu verdecken, z. B. sexuelle Praktiken oder beim Sex nichts bringen zu müssen. Als stark stimulierende Auslöser im Gehirn führen Pornos zu einer unnatürlich hohen Dopamin-Ausschüttung; das sorgt für den Kick, den aber der Partner- bzw. der Partnerin-Sex oft nicht bietet. Verheimlichtes Pornonutzen kann zu heftigen Konflikten führen, wenn es entdeckt wird.

Pornos zu brauchen ist dann der Punkt, wo es schnell ins Ungesunde kippt. Die Angst, pornosüchtig zu sein, ist zwar für die meisten Männer unbegründet. Aber Pornos zu nutzen kann sich zu einer Zwangsstörung entwickeln. Um die zu behandeln, helfen keine guten Vorsätze, da braucht es ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe. Wenn Pornos genutzt werden müssen, ist das ein Alarmzeichen. Der Praxistest: Versuche, eine Woche lang konsequent gar keine Pornos zu nutzen. Wem das nicht gelingt, der hat wahrscheinlich ein Problem.

Gesund ist es, Pornos reguliert zu nutzen (eine Studie sagt: Im Durchschnitt 24 Minuten in der Woche sind ok) und auf Qualität zu achten – wie beim Essen: Besser fair als billig! Das hilft, Schuldgefühle zu besänftigen, wegen dem Nutzen von Pornos selbst und wegen der Produktionsbedingungen beim Herstellen. Sich Pornos was kosten zu lassen ist gut investiertes Geld, denn solche Pornos lassen sich leichter mit der Partnerin oder dem Partner gemeinsam anschauen. Werden Pornos so ins Sexleben integriert, gewinnt die Partnerschaft, die Intimität nimmt zu – und der gemeinsame Sex wird noch gesünder.

Text: Reinhard Winter, SOWIT

 

Zum Weiterlesen:

Süchtig nach Pornos – Wie Sex-Videos schaden und wo sie helfen (SWR2)

Pornosucht überwinden: Hilfe & Therapie (männergesundheit.info)

 

Literatur

Heike Melzer: Scharfstellung. Die neue sexuelle Revolution – Eine Sexualtherapeutin spricht Klartext. Klett-Cotta 2022

Madita Oeming: Porno – Eine unverschämte Analyse. Rowohlt Taschenbuch 2023

Reinhard Winter: Porno, Sex und Männlichkeit. Wie junge Männer ihre Sexualität schaffen. Beltz 2022